Tunesien als Nearshoring-Standort

• Geografische Nähe als Wettbewerbsvorteil
In den meisten europäischen Ländern wird Nearshoring heute als kontinentale Realität betrachtet, die von den Provinzen des eigenen Landes bis nach Osteuropa reicht. Mit einer maximalen Zeitverschiebung von 0–1 Stunden und einer maximalen Reisezeit von 2–3 Stunden rückte der tunesische Markt gerade in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus für EU-Unternehmen. In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die Gründe dafür.
 

• Nearshore–Markt Tunesien
Die Vorteile von Nearshoring liegen klar auf der Hand. Durch das Outsourcen der Dienstleistungen Kosten rund um Miete, Personal und Nebenkosten gespart werden.

Da sich der Standort Tunis in der gleichen Zeitzone wie Deutschland befindet und die Entfernung ca. 2 Flugstunden beträgt, kommt es zu keinen zeitlichen Einschränkungen in der Kommunikation. Gleichzeitig sind keine qualitativen Einbußen zu befürchten, da die Mitarbeiter in Tunis, genauso wie die Mitarbeiter in Deutschland, bestens geschult und zertifiziert sind und somit auf dem gleichen Niveau arbeiten.

• Vorteile durch Nearshoring in Tunesien
Großer Talentpool an IT-Fachkräfte In Tunesien ist die Hochschulbildung qualitativ hochwertig und mit den westeuropäischen Ländern absolut vergleichbar. 240.000 Studierende schließen jedes Jahr die Hochschule ab, davon sind 20.000 Absolventen Ingenieure & Wissenschaftler und 9.000 Informations- und Kommunikationstechnologie-Absolventen (IKT). In Tunesien existieren mehr als 50 Ingenieurschulen, die unter anderem Informatik unterrichten.

• Sprachliche Fähigkeiten

35 % der tunesischen Bevölkerung spricht fließend Französisch, Englisch wird in der Schule ab Klasse 4 unterrichtet und es gibt zertifizierte sowie professionelle Sprachinstitutionen für die deutsche Sprache. Viele tunesische Geschäftsleute sprechen neben Deutsch und Englisch unter anderem auch Italienisch. Rund 40.000 Schüler lernen Deutsch als Fremdsprache.

• Lösungsorientiertes Arbeiten
Die tunesische Geschäftskultur wurde durch verschiedene regionale, kulturelle und religiöse Einflüsse geprägt und trägt in unterschiedlichem Maße die Merkmale der arabisch/muslimischen, mediterranen und französischen Kultur. Persönliche Beziehungen, Vertrauen und Hierarchie sind einige der herausragenden Werte, die die lokale Geschäftskultur definieren. Die Arbeitskultur kann formeller und höflicher wirken als in nordamerikanischen und nördlichen Ländern.

Die Arbeitskultur der Softwareentwickler in Tunesien ähnelt der des Westens. Sie sind am Erfolg des Projekts interessiert und behandeln es wie ihr eigenes. Die Entwickler haben eine „Get the job done“-Mentalität und agieren lösungsorientiert.

• Finanzielle Attraktivität
Die Stundensätze für einen tunesischen Support-Mitarbeiter sind attraktiv und wettbewerbsfähig. Tatsächlich kann die Zusammenarbeit mit tunesischen ITlern im Vergleich zu anderen Nearshore-Ländern viel Geld sparen.

Trotz der guten Arbeitsmarkt-Qualität sind die durchschnittlichen Lohnkosten sehr gering. Interessant für den BPO-Bereich (Business Process Outsourcing) ist vor allem die Lohnkostenstruktur in typischen BPO-Arbeitsmärkten, wodurch sich Tunis zu einem attraktiven nordafrikanischen BPO-Standort entwickelt hat.

• Gute IKT-Infrastruktur
Tunesien liegt im südlichen Mittelmeerraum und in Afrika auf Platz 2 hinsichtlich des Zustandes der Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Im südlichen Mittelmeerraum ist Tunesien sogar das führende Land in Bezug auf die Telekommunikationsinfrastruktur.

Erreichbarkeit von Deutschland und Deutsche Zeitzone
Es gibt tägliche Flugverbindungen ab Frankfurt am Main mit einer Flugzeit von 2 Stunden und 10 Minuten. Für Reisen bis zu 4 Monaten ist kein Visum erforderlich. Tunesien liegt in der gleichen Zeitzone wie Berlin (mitteleuropäische Zeit). In Tunesien wird keine Sommerzeit verwendet.

Fazit:

Obwohl Tunesien nicht als klassische Nearshore-Region bezeichnet werden kann, da es nicht innerhalb Europas liegt, machen die schnelle Erreichbarkeit, die geringen Kosten und die nicht vorhandenen Zeitverschiebungen Tunesien für europäische Länder ebenfalls zu einem interessanten Standort im Kontext des Outsourcing von Geschäftsprozessen. Neben mehr als 60.000 Fachkräften im Bereich der Offshore-Dienstleistungen bietet der tunesische IT-Sektor ein stark wachsendes Ökosystem, Technologieprofile, die durch eine moderne Informations- und Kommunikationstechnik unterstützt werden, sowie starke technische Kompetenz. Rund 400 Unternehmen bieten IT-Dienstleistungen an. Auch die in Relation zu Deutschland günstigen Löhne und Gehälter von IT-Entwicklern sind auf der Habenseite zu verbuchen. Frankreich hat das schon lange erkannt: Für Frankreich ist das nordafrikanische Land bereits seit vielen Jahren einer der wichtigsten Standorte für IT-Dienstleistungen.

Als ein strategischer Standort zwischen Europa und Afrika ist Tunesien mit einer qualitativ hochwertigen und verfügbaren Infrastruktur sowie talentierten und gut ausgebildeten Humanressourcen auch für deutsche Unternehmen eine sehr gute Wahl für ein Offshore-Nearshore Engagement.

 

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